Osnabrücker Nachrichten
The Associated Press Berlin Berlin DEU Berlin (AP) Knapp eine Woche vor
Beginn der Weltklimakonferenz haben die Vereinten Nationen die
Industrieländer aufgefordert, ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr
2050 um 80 Prozent zu senken. Der Klimawandel könne ansonsten zu
schwerwiegenden Rückschlägen bei der Armutsbekämpfung führen, heißt es
im UN-Bericht über die menschliche Entwicklung 2007/2008, der am
Dienstag vorgestellt wurde. Die Erderwärmung führe zu Unterernährung,
Wasserknappheit und Umweltkatastrophen. Sie bedrohe somit Millionen von
Menschen.
«Es ist keine Zeit zu verlieren», betonte Entwicklungsministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bei der Vorstellung des Berichts in
Berlin. Die Auswirkungen des Klimawandels bedrohten insbesondere die
armen Länder.
«Es besteht die Gefahr, dass Fortschritte, die hier in den letzten
Jahren gemacht worden sind, zurückgedreht werden», sagte der Leiter des
Unterstützungsteams für die Millenniumsziele beim Entwicklungsprogramm
der Vereinten Nationen, Guido Schmidt-Traub. «Die Länder, die am
wenigsten zum Problem beitragen, sind am stärksten betroffen.» Gerade
in Afrika seien extreme Auswirkungen zu erwarten.
Laut UN-Bericht könnte ein Anstieg der Temperaturen um mehr als
zwei Grad Celsius dazu führen, dass weitere 600 Millionen Menschen in
Afrika Hunger leiden müssen und über 200 Millionen Menschen durch
Überschwemmungen obdachlos werden. Die Zahl der Menschen, die von
Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber betroffen sind, könnte um 400
Millionen steigen.
Die Autoren appellieren an die Industrienationen, den armen
Ländern bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels zu helfen. «Die
Industrieländer stehen in einer besonderen Verantwortung und müssen
beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle übernehmen», erklärte auch
Wieczorek-Zeul mit Blick auf die UN-Klimakonferenz, bei der ab
kommender Woche Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das
Kyoto-Protokoll beginnen sollen.
Der UN-Bericht fordert die Industrieländer dazu auf, ihre
Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent zu
senken - ausgehend vom Niveau von 1990. Den meisten sei es bislang
allerdings nicht einmal gelungen, die im Kyoto-Protokoll vereinbarten
Reduktion von durchschnittlich rund fünf Prozent zu schaffen.
Mehr Geld für Anpassungs- und Schutzmaßnahmen Gleichzeitig
müssten mehr Mittel bereitgestellt werden, um weltweite Anpassungs- und
Schutzmaßnahmen zu finanzieren. Als konkrete Handlungsvorschläge nennen
die Autoren eine Besteuerung des CO2-Ausstoßes,
Emissionshandels-Programme, eine Regulierung des Energiesektors und
internationale Zusammenarbeit zur Förderung von Technologien mit
niedrigem Kohlendioxid-Ausstoß. Außerdem schlägt der Bericht vor, die
Erhaltung der Regenwälder in Verträge zum Schutz des Klimas zu
integrieren.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass insgesamt mehr
internationale Kooperationen notwendig sind. «Rein freiwillige Zusagen
werden nicht ausreichen», sagte Schmidt-Traub.
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