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Human Development Reports - United Nations Development Programme (UNDP)

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2013 Report

The Rise of the South: Human Progress in a Diverse World is available for free downloading

Armut bedroht Leben von 41 Millionen Kindern

Der Spiegel

Hamburg - Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) legte seinen "Bericht über die menschliche Entwicklung 2005" eine Woche vor dem Uno-Gipfel in New York heute den Staats- und Regierungschefs vor. Das 427-Seiten-starke Dokument zieht eine Zwischenbilanz bei der Verwirklichung der sogenannten Milleniums-Entwicklungsziele der Uno-Staaten.

Vor fünf Jahren hatten sich die Staats- und Regierungschefs der Welt auf dem Uno-Milleniumsgipfel einstimmig das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2015 die extreme Armut zu halbieren, die Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu verringern und eine allgemeine Grundschulbildung zu erreichen. Doch von einer Erfüllung der Ziele ist die Weltgemeinschaft weit entfernt.

"Die Milleniums-Entwicklungsziele sind ein Schuldschein, ausgestellt von 189 Regierungen an die ärmsten Menschen dieser Welt. Dieser Schuldschein wird in zehn Jahren fällig", sagte der leitende Autor des jetzt vorgelegten Berichts, Kevin Watkins. Ohne die nötigen Investitionen und den entsprechenden politischen Willen werde er mit dem Stempelaufdruck "nicht gedeckt" zurückkommen.

DAS UNO-RANKING ZUM ENTWICKLUNGSGRAD DER LÄNDER

  1 Norwegen
  2 Island
  3 Australien
  4 Luxemburg
  5 Kanada
  6 Schweden
  7 Schweiz
  8 Irland
  9 Belgien
10 USA
11 Japan
12 Niederlande
13 Finnland
14 Dänemark
15 Großbritannien
16 Frankreich
17 Österreich
18 Italien
19 Neuseeland
20 Deutschland

Der UNDP-Bericht warnt davor, dass es in den kommenden zehn Jahren zu Millionen, eigentlich vermeidbaren Todesfällen kommen werde, wenn die vereinbarten globalen Ziel nicht erreicht würden. Zwar habe es bedeutende Fortschritte gegeben, viele einzelne Länder seien jedoch weiter zurückgefallen.

Den höchsten Entwicklungsgrad weisen nach dem Human Development Index (HDI), in dem Schlüsselindikatoren wie Einkommen, Lebenserwartung und Bildung zusammengefasst sind, Norwegen vor Island und Australien auf. Die USA liegen auf Platz 10, Deutschland auf 20. Am geringsten entwickelt sind laut HDI Burkina Faso, Sierra Leone und Niger.

Weltgemeinschaft hinkt bei Milleniums-Zielen hinterher

50 Länder mit einer Gesamtbevölkerung von fast 900 Millionen Menschen hinken dem Bericht zufolge bei mindestens einem der Milleniums-Ziele hinterher. 24 dieser Länder liegen in Afrika südlich der Sahara. Weitere 65 Staaten mit einer Gesamtbevölkerung von 1,2 Milliarden Menschen riskieren, dass sie mindestens eines der Ziele nicht vor dem Jahr 2040 erreichen werden.

Nach dem gegenwärtigen Trend würden im Jahr 2015 immer noch 827 Millionen Menschen in extremer Armut leben, 380 Millionen mehr, als die internationalen Ziele vorgeben. Weitere 1,7 Milliarden Menschen würden von weniger als zwei US-Dollar pro Tag leben. Auch vom Ziel, die Kindersterblichkeit spürbar zu verringern, sind die Staaten weit entfernt. Ginge es weiter wie bisher, würde erst 2045 das Ziel erreicht, 30 Jahre später als versprochen. Für schätzungsweise 41 Millionen Kinder würde diese Verzögerung dem Bericht zufolge den Tod bedeuten.

Auch bei der Schulbildung und der Trinkwasserversorgung müssten die Anstrengungen deutlich verstärkt werden. 2015 würden noch immer 47 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen, 19 Millionen davon im zentralen und südlichen Afrika. Das Ziel, den Anteil der derzeit eine Milliarde Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, bis 2015 zu halbieren, würde für 210 Millionen Menschen nicht erreicht.

"Wir wissen, dass die Milleniums-Entwicklungsziele erreichbar sind, doch wenn wir so weitermachen wie bisher, werden die Versprechen gebrochen", sagte UNDP-Administrator Kemal Dervis. Dies wäre nicht nur für die armen Länder eine Tragödie. "In einer von gegenseitigen Abhängigkeiten geprägten Welt hängen unser gemeinsamer Wohlstand und unsere kollektive Sicherheit entscheidend von den Erfolgen im Kampf gegen die Armut ab."

Gerade den reichen Staaten komme deshalb eine besondere Rolle bei der Überwindung der Armut zu. Der Bericht wirft ein Schlaglicht auf das Ausmaß des internationalen Wohlstandsgefälles: Auf die ärmsten 40 Prozent der Weltbevölkerung entfallen nur fünf Prozent des gesamten globalen Einkommens. Auch innerhalb einzelner Staaten verhindere die Ungleichverteilung, die Armut entscheidend zu mindern, wenn die Wirtschaft wächst.

"Perverse Besteuerung" durch Welthandelspolitik

UNDP warnt vor Selbstzufriedenheit nach der Zusage des G-8-Gipfels, die Entwicklungshilfe um 50 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. "Selbst ein Entwicklungshilfe-Glas, das zu drei Vierteln voll ist, wird die Milleniums-Entwicklungsziele noch nicht in greifbare Nähe rücken, insbesondere, wenn die Mittel noch mehrere Jahre nicht zur Verfügung stehen", heißt es in dem Papier.

Scharf kritisieren die Autoren, dass die ärmsten Länder der Welt in den reichsten Ländern mit den höchsten Zöllen konfrontiert sind - laut Bericht eine "perverse Besteuerung" durch die Welthandelspolitik. Wie die Untersuchung zeigt, zahlen die Geberländer eine Milliarde US-Dollar pro Jahr, um die Landwirtschaft in Entwicklungsländern zu unterstützen, demgegenüber jedoch auch eine Milliarde pro Tag für inländische Subventionen, die die ärmsten Bauern dieser Welt allmählich zugrunde richten. Nach Schätzungen des Berichts kosten die gesamten Auswirkungen der protektionistischen Maßnahmen und Subventionen der Landwirtschaft in den reichen Ländern die Entwicklungsländer nahezu 72 Milliarden US-Dollar im Jahr - ein Betrag, der der gesamten öffentlichen Entwicklungshilfe des Jahres 2003 entspricht.

Dass die Bemühungen in der Armutsbekämpfung noch nicht ausreichen, wird bei den Veränderungen im HDI deutlich. Seit 1990, als der erste Bericht veröffentlicht wurde, haben 18 Länder mit einer Gesamtbevölkerung von 460 Millionen Menschen hier Rückschritte gemacht - wieder liegen zwölf von ihnen in Afrika südlich der Sahara. Die anderen sind ehemalige Republiken der Sowjetunion.

Das südliche Afrika war am stärksten betroffen von diesem Rückgang, der vor allem auf die HIV-Pandemie zurückzuführen war. Südafrika fiel im HDI um 35 Plätze zurück, Simbabwe um 23 und Botswana um 21. Tadschikistan sackte um 21 Plätze, die Ukraine um 17 und Russland um 15 Plätze ab. In den Staaten der ehemaligen Sowjetunion waren Hauptfaktoren vor allem der Rückgang der Lebenserwartung und die wirtschaftliche Zerrüttung.

Lichtblick: In vielen Ländern hat es Fortschritte gegeben. So sind die Menschen in den Entwicklungsländern in den vergangen 15 Jahren gesünder und gebildeter geworden. Die Lebenserwartung in diesen Staaten ist um zwei Jahre gestiegen, es sterben zwei Millionen Kinder weniger pro Jahr. 30 Millionen Kinder mehr gehen zur Schule und 100 Millionen Menschen sind der extremen Armut entkommen.

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