Die Press
Wien. Für Menschen in Entwicklungsländern war das Risiko, von einer Klimakatastrophe wie Dürre, Wirbelsturm oder Überflutungen betroffen zu sein, in den Jahren 2000 bis 2004 exakt 79-mal höher als für Menschen in den Industrieländern. Das sagen die Autoren des am Dienstag veröffentlichten jüngsten Welt-Entwicklungsberichts des UNDP (United Nations Development Programme). 98 Prozent der Geschädigten lebten in Entwicklungsländern.
Ehrlicherweise räumen die Autoren die Schwierigkeit ein, „konkrete Ereignisse dem Klimawandel zuzuschreiben“. Aus Einzelstudien geht aber hervor, was der Klimaforscher Antonio Queface (Mondlane University Maputo) für Moçambique festmacht: „Die Zahl der Extremereignisse hat stark zugenommen.“ Deutlich zeigt sich das an den Zyklonen: Registrierte man in den 70er-Jahren zwei Wirbelstürme, so waren es seit der Jahrtausendwende bereits sechs. Eine ähnliche Steigerung zeigt sich bei Dürren und Überflutungen. „Arme Länder leiden unter einer solchen Variabilität der Extreme besonders,“ sagt der Forscher.
Dies hat vor allem zwei Gründe: Die in vielen Entwicklungsländern vorherrschende Subsistenz-Landwirtschaft ist besonders verwundbar. Dürre, Hochwasser oder Wirbelstürme treffen hier die einzelnen Familien und ihre Überlebenssicherung direkt. Und hier wirkt der Klimawandel besonders stark: Um 60 bis 90 Millionen Hektar könnten in Afrika die von Dürre betroffenen Gebiete bis 2060 zunehmen und mehr als 15 Prozent des landwirtschaftlichen Produktionspotenzials kosten, heißt es im UNDP-Bericht.
Auf der anderen Seite fehlen oft die – technischen und finanziellen – Kapazitäten für Prävention oder effiziente Hilfe. In den reichen Ländern könnten sich die Menschen auf die Segnungen der öffentlichen Hand verlassen, in den Entwicklungsländer sei jeder auf sich alleine gestellt, so der Bericht.
Für die armen Länder ist dies insofern bitter, als sie – nimmt man den Kohlendioxidausstoß als Maß – zum geringsten Teil als Verursacher gelten: In Äthiopien beträgt der „CO2-Fußabdruck“ 0,1 Tonnen pro Einwohner, in den USA liegt der Wert bei 20,6.
Abseits vom Fokus auf den Klimawandel enthält der UNDP-Bericht auch wieder das jährliche Ranking der „Menschlichen Entwicklung“: Gemessen an Indikatoren wie Lebenserwartung, Realeinkommen oder Bildungsniveau, sind auch heuer die hintersten Plätze fest in afrikanischer Hand.
An der Spitze hat Island heuer Norwegen abgelöst und auf den zweiten Rang verwiesen. Auch Österreich (Platz 15) hat sich im Vergleich zum Vorjahr um einen Rang verschlechtert. Das einzige Nachbarland, das vor Österreich platziert ist, ist die Schweiz (Platz sieben). Der am weitesten vorne gereihte EU-Staat ist Irland, was insofern bemerkenswert ist, als die Insel vor fünf Jahren noch 13 Plätze weiter hinten lag. Am Ende der EU-Skala: Rumänien mit Rang 60.
17 Mitgliedstaaten der UNO, darunter Afghanistan und der Irak, firmieren nicht in der Liste, da es keine gesicherten Daten gibt.
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